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Fiestas del Charco

Auszug aus dem Festprogramm der Fiestas del Charco 2007

Grau Bassas, der erste Konservator des Museo Canario (Kanarisches Museum), hinterließ im Jahr 1887 nach einem Besuch der Fiesta del Charco (Fest des Teichs) von La Aldea de San Nicolás das geschriebene Zeugnis, dass diese „unermüdlichen Leute vom Teufel besessen seien“, und dass er persönlich das Dorf nicht ganz richtig im Kopf verließ. „Ich habe es verrückt verlassen“, sagte er in den Papieren wörtlich.

Die Fiesta del Charco, die in einem der abgelegensten Dörfer von Gran Canaria stattfindet, einer Insel innerhalb einer anderen, getrennt von einer so brutalen Höhenstruktur, dass es besser ist, sich über das Meer als über Land fortzubewegen, ist eine der großen von Gran Canaria gehorteten Reliquien – die dennoch vor Vitalität überschäumt.

Die ältesten Texte berichten schon von diesem Ereignis, das viel mit der Gewalt des Meeres zu tun hat. Es findet Anfang September statt, wenn sich die Flut weiter hervorwagt und in der Mündung des Barranco von La Aldea eine so genannte „Marciega“ bildet. Das heißt, eine kleine Salzwasserlagune, in der sich die Steinbeißer überraschend gefangen sehen – dumme Fische, die nicht fähig sind, die Gefährlichkeit dieser kleinen Fallen zu erkennen.

Verschiedenen Theorien zufolge verwendeten die Altkanarier diese vom Ozean geschiedenen Teiche zum Eintreiben. Sie gossen, während die Fische ohne Ausweg umherschwammen, die giftigen Säfte verschiedener Pflanzen, z. B. den Saft der Kratzdistel und den der Wolfsmilch, die dort zu Hauf vorkommt, in das Salzwasser. Die Fische waren platt, von der dickflüssigen, klebrigen weißen Milch betäubt. Noch blöder als je zuvor, boten die Steinbeißer kaum Widerstand. Mit allem möglichen Gerät, ob Kübeln oder Netzen, versuchten die Anwohner ihr Fischerglück und erbeuteten dicke Fische.

So ging es bis zum 23. August des Jahres 1776 zu. Der Bischof Francisco Delgado Venegas hatte, ein Jahrhundert vor Grau Bassas, den Mut, die tiefen Barrancos und die furchterregenden Klippen vor La Aldea zu überwinden. Und dort sah er, live, was ihm persönlich als Brauch nicht christianisierter Wilder erschien. Die Aufmerksamkeit des Bischofs wurde eher von der Nacktheit der Teilnehmer bei diesem besonderen Fischfang als vom System an sich erregt, obwohl dieses von viel größerer Revelanz war.

Um zu verhindern, dass die Formen „durch das Zeigen von unzeigbaren Dingen“ dem Teufel verfielen, befahl der Bischof den Massen, Schuhe und Kleider anzuziehen, und legte für Zuwiderhandlungen eine Strafe von vier Dukaten und 15 Tagen Gefängnis fest.

Heute mobilisiert El Charco von La Aldea jeden 11. September einen Menschenstrom, der am fantastischen Strand des Dorfs endet. Bevor der Bürgermeister dort eine Feuerwerksrakete abfeuert, wie es die Norm ist, versammeln sich die Menschen im Kreis und umarmen den vor Fischen wimmelnden Teich; Tausende – mit volkstümlichen Trachten – bekleidete Personen, wie es der Bischof an diesem unheilvollen Tag des 18. Jahrhunderts befohlen hatte.

Der Abschuss der Feuerwerksrakete findet um fünf Uhr abends statt. Sobald sie explodiert, rennen alle in die Marciega. Das Schauspiel endet in einem einzigen Menschengetümmel im Wasser. Keine einzige Seele würde mehr hineinpassen. Nicht einmal die Steinbeißer, die auf dem Boden von Kübeln und Eimern herumzuspringen beginnen. Die gefangenen Steinbeißer springen in die Höhe, als Triumph, der so alt ist wie der Ort, der einer der ersten bekannten Orte der Kanaren war, da er schon vor der Conquista im Jahr 1352 als Basis mallorquinischer Missionare diente.

Aber es gibt auch Leute, die die Fische küssen, in die Arme schließen und dem Ozean zurückgeben, um bei der nächsten Fiesta del Charco auf ihre Rückkehr zu warten. Für die meisten beginnt jedoch nach dem Fischen ein weiterer Festakt: der Aufbau von Grills, Gasbrennern und kleinen Feuerstellen, über denen die ganze Nacht lang die Steinbeißer gegrillt werden, die so dumm waren, das Nass des Meeres mit der trockenen Erde zu verwechseln.