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Kultur

La madera (Kunsthandwerk)

Während mehrerer Jahrhunderte war das Holz der Rohstoff, der den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Inselbewohner ermöglichte. Die Eigenschaften der verschiedenen Holzarten bestimmte den jeweiligen Verwendungszweck. Unter den wichtigsten Einrichtungsgegenständen heben wir hervor:

Die so genannte Pila, Destiladera oder Tallero

Die Pila (Becken) ist ein typisches Element der traditionellen kanarischen Häuser. Ihre Funktion war das Reinigen und Kühlen von Trinkwasser.

Normalerweise besteht die Pila aus drei Teilen oder Ebenen. Auf der obersten Ebene befindet sich der Destillierstein und auf der zweiten die so genannte Talla oder Schale. Auf der untersten Ebene, die nicht immer vorhanden ist, steht normalerweise eine weitere Schale für den Fall, dass die mittlere überläuft oder aber für die Frischhaltung von Käse und anderen Lebensmitteln. In einigen Fällen wird diese Ebene mit Jalousien geschlossen gehalten.

Für die Herstellung der Pila benutzt man Tea-Holz, das aus dem harten Kern der kanarischen Kiefer gewonnen wird und das bei den Tischlern besonders beliebt ist, denn es ist äußerst resistent gegen Feuchtigkeit und läßt sich sehr gut mit dem Stechbeitel bearbeiten. Es gibt auch fest installierte Pilas, die aus gehauenem Stein oder Backsteinen gebaut werden. Als Mörtel dienen in diesem Fall Lehm- oder Zementmörtel.

Der so genannte Escaño ist ein Möbelstück, das gleichzeitig als Sitzbank und Kiste dient. Er wird aus Tea-Holz oder aus dem Holz des kanarischen Lorbeerbaums gemacht. Es handelt sich um eine lange Kiste mit Füßen, deren Deckel auch gleichzeitig die Sitzfläche ist.

Für Käseformen, Stühle und Hocker verwendet man normalerweise Kastanienholz. Erst wird das Holz gereinigt, bevor es mit Hobel und Beitel weiter verarbeitet wird. Mit dem Hammer, dem Beil und der Kelle gibt man ihm die richtige Form. Nach dem Entfernen der Rinde wird eine Zeichnung gemacht, die der gewünschten Form entspricht. Besonders interessant sind die hinteren Füße der Hocker, die nach oben verlängert und durch eine Lehne miteinander verbunden werden. Besonders schön sind die Schnitzmotive in den Lehnen; mal sind es künstlerich stilisierte Blumen, mal sind es interessante, geometrische Formen.

Die Kisten aus Tea-, Lorbeer- oder Zedernholz sind typische Möbelstücke mit flachen Deckeln (wegen der Härte des Materials), im Gegensatz zu den kubanischen Kisten, von denen es viele auf den Inseln gibt und die eine abgerundete Form haben. Die Kisten-Kommoden verfügen über eine oder zwei Reihen Schubladen mit Füßen, auf denen dann die Kiste montiert wird.

Weitere Utensilien aus Holz, die im Haus und meist im Umgang mit Lebensmitteln benutzt werden, sind Tabletts, Löffel verschiedener Größe, Schüsseln für das Kneten von Brot, Mörser, Melkeimer, etc.

Die alten landwirtschaftlichen Geräte sind wahre Meisterwerke des Kunsthandwerks. Behälter für die Aufbewahrung von Getriede und Wasser, Karren, Tragbahren, Getriebe für Windmühlen, Webstühle, etc. waren früher auf einem Bauernhof unabdingbar. Der Schiffs- und Bootsbau auf der Insel blickt ebenfalls auf eine lange Tradition zurück. Meist wurden kleine Schiffe und Boote für die Fischerei in der Nähe der Küste hergestellt.

Bei den kanarischen Balkonen gibt es zahlreiche, verschiedene Modelle, die alle zusammen ein bedeutendes Merkmal der traditionellen, kanarischen Architektur darstellen. Es gibt geschlossene Balkone mit Tribüne, mit Unterbau, mit Dach, mit Erker und mit Jalousien sowie offene Balkone mit verschiedenartigen Jalousien, Balustraden, Geländern und Verstrebungen.

Auffallend sind die sogenannten Schultern, die der gesamten Struktur Halt geben. Die Basis des Balkons bildet gleichzeitig seinen Boden und die Brüstung bildet die so genannte Tribüne. Herrliche Beispiele für dieses architektonische Element findet man vor allem in Teror, Telde und dem alten Stadtteil von Las Palmas, Vegueta.

Der Timple

Der Timple ist das kanarische Musikinstrument schlechthin und ist gleichzeitig eines der schönsten Beispiele für das kanarische Kunsthandwerk, denn die Wahl des Holzes sowie die schonende und vorsichtige Weiterverarbeitung sind entscheidend für den späteren Klang des Instruments.

Zuerst wird das passende Holz ausgewählt. Normalerweise verwendet man Palisander-, Mispelbaum- oder Orangenbaumholz. Dann werden die Form und die einzelnen Teile wie Bögen, Verzierungen auf der Vorder- und Rückseite und der Steg vorbereitet. Der Steg, die Bögen und die Rückseite sind meist aus einem leichten Holz, zum Beispiel Zeder oder spanische Tanne. Für die Vorderseite wird Pinien- oder Tannenholz verwendet. Wenn das Instrument zusammengebaut ist, wird es mit Nylonsaiten bespannt.

Kunsthandwerker, die sich auf den Bau dieser Instrumente spezialisiert haben, findet man vor allem in Gáldar, Teror, Ingenio und Telde.

Die Webstühle

Die typischen Webstühle der Insel sind horizontal und haben eine Würfelform. Das Gestell besteht aus Streben aus Tea-Holz, die vertikal und horizontal miteinander verbunden werden.

Die Webtechnik besteht aus dem kreuzweise Verweben von zwei Fadensystemen. Das erste (Urdimbre) wir so angeordnet, dass das zweite (Trama) zwischen den ersten hindurch geführt wird und so ein Gewebe ergibt.

Derzeit werden als Rohstoffe Fäden von alten Lappen zur Herstellung von neuen Lappen verarbeitet. Für das Weben von Decken und Teppichen werden Wollfäden benutzt. Früher benutzte man hauptsächlich Baumwolle, Pitahanf, Flachs und Seide.

Stoffe, die aus Wolle hergestellt werden, entstehen bei folgendem Prozess: Nach dem Scheren der Schafe wird die weiße von der schwarzen Wolle getrennt, gewaschen, an der Sonne getrocknet und gekämmt, damit die Wolle nicht verfilzt. Danach kann sie gesponnen werden. Dazu wird ein hölzernes Spinnrad mit einem einfachen Spinnrocken (eine Stange aus Schilfrohr, die an einem Ende einen Einschnitt hat, wo die Wolle befestigt wird) verwendet. Vom Spinnrocken kommt die Wolle auf die Spindel und ist fast fertig zum Verarbeiten. Von der Spindel geht die Wolle durch die Hand der Spinnerin auf das Spinnrad, dann wird sie mit kaltem Wasser und Seife nochmals gewaschen, zu einem Knäuel gewickelt und dann auf dem Webstuhl eingefädelt.

Orte, in denen es viele Weber und Weberinnen gab sind Ingenio, Telde, Santa Lucía, la Aldea de San Nicolás, Valsequillo, San Mateo, Teror, Moya und Gáldar.

Die Lochstickerei

Die Lochstickerei besteht darin, aus einem Stück Stoff Fäden zu entfernen und mit den verbleibenden Löchern bestimmte Formen und Muster zu schaffen. Der Stoff muss auf einem Tisch ausgebreitet und gestrafft werden.

Der Prozess der Lochstickerei geht folgendermaßen vor sich: Mit einer Nadel werden Fäden aus dem Stoff gezogen und die Ränder der entstandenen Löcher werden gesäumt, damit der Stoff nicht weiter ausfranst. Nach dieser ersten Phase, die Trazado genannt wird (der schwierigste Teil der Arbeit), kommt die zweite Phase, die calar (durchbrechen) oder tejer (sticken) genannt wird. Diese Arbeit wird meist von mehreren Stickerinnen ausgeführt.

Bei der Lochstickerei werden oft kapriziöse Formen geschaffen, die nicht selten eine exklusive Erfindung der jeweiligen Stickerin sind und eine außergewöhnlche Beherrschung der Techniken sowie eine beneidenswerte Schönheit aufweisen.

Neben der Lochstickerei sind auch das Klöppeln und die Aufnähstickerei zu erwähnen. Bei beiden Techniken werden Stoffe durch das Hinzufügen von Mustern verschönt.

Orte, in denen traditionell gestickt und geklöppelt wird: Ingenio, Agüimes, Telde, Valleseco, Aldea de San Nicolás.