Gran Canaria
Die offizielle Tourismus-Webseite von Gran Canaria
Silueta Gran Canaria Sitemap
Gran Canaria

Gastronomie

Süße Verluste und Rückkehr eines Weins

Jeden Samstag- und jeden Sonntagmorgen wird in Santa Brígida der Agrar- und Handwerksmarkt veranstaltet. Er ist zwar nicht groß, bietet aber in seinem sympathischen Ambiente örtliche Produkte wie Obst, Gemüse, Brot, Gebäck und Süßes, Käse, Marmelade, Wein... Es lohnt sich, ihn zu besuchen, und sei es nur um zu sehen, zu fühlen und zu riechen.

Zwei zum Anstoßen erhobene Weingläser
Fässer in einer Weinkellerei im Bandama-Gebiet

Nicht weit entfernt liegt das Haus des Weins (Casa Museo del Vino), das zu einer sinnlichen Begegnung mit der jahrhundertealten Tradition des örtlichen Weinanbaus einlädt. Im 20. Jahrhundert fast aufgegeben, erlebte der Wein eine Renaissance, die hier, in den Weinbergen des Monte Lentiscal, begann und schließlich zur Schaffung der Ursprungsbezeichnung Gran Canaria führte, mit der die Herkunft und Qualität der grancanarischen Weine zertifiziert wird. Dem Haus des Weins angeschlossen sind eine Taverne und ein Laden, wo die Inselweine degustiert und erworben werden können.

Die Dulcería La Fonda hingegen lebt nur noch in der Erinnerung. Ihr Name erinnert an die Zeiten, als sie noch ein Gasthof für Reisende und Sommerfrischler war und auf den Marmortischen im Speisesaal Mahlzeiten serviert wurden.Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts war sie inselweit bekannt, wurde aber gegen Ende der 70er Jahre geschlossen. Das Erdgeschoss mit seiner Marmortheke und den Vitrinen aus Holz und Glas war weiterhin als Café, Bar und Konditorei geöffnet. Noch vor kurzer Zeit wurden dort Marzipan und die bizcochos lustrados (Biskuits mit Zuckerguss) verkauft, die den Ruhm der Konditorei begründeten.

Bizcocho lustrado, der berühmte Kuchen mit dem Zuckerguss

Araceli Hernández gehörte zur letzten Generation der Konditorinnen der Familie. Vor allem die bizcochos lustrados, die nach einem Rezept aus dem 19. Jahrhundert gebacken wurden. "Ich erinnere mich noch an meine Großmutter und die Tanten meines Vaters, die die Fonda führten, damals hieß sie Fonda Melián. Mein Vater wurde Melián genannt, obwohl er eigentlich Antonio Hernández hieß. Melián war nur sein zweiter Nachname", erzählt sie.

Zu Eusebia Melián, der Großmutter von Araceli, "brachten die Leute Eier, um Gebäck und Zuckerwaren für Hochzeiten und Taufen in Auftrag zu geben. Wie in anderen Inselorten, in denen es süße Spezialitäten gibt, wie Moya und Santa María de Guía. Als ich klein war, hob sie immer welche für mich auf um sie mir zu geben, wenn ich zu Besuch kam," erzählte sie in einem Gespräch, das schon ein paar Jahre zurückliegt und lacht, als sie sich an den Lapsus einiger Kunden erinnert, die sie nach "illustrierten" Biskuits fragten. Für ein Blech wurden 24 Eier, Zucker, Mehl und abgeriebene Zitronenschale benötigt. Der Teig wurde gebacken, geschnitten und mit einem Zuckerguss aus Zucker, Wasser und Zitrone bestrichen.

Orangen im Bandama-Krater
Blick vom Krater auf den Pico de Bandama

Früher wurde er in einem Steinofen auf dem Grundstück gebacken, das die Familie neben der Fonda besaß, gleich an der Landstraße durch das Inselzentrum, die hier durch das Dorf durchquert. Als das Grundstück verkauft und bebaut wurde, trug der Vater die Kuchen zum Backen in die Bäckerei. Die letzten Biskuits buk Araceli im Gasofen hinter der Dulcería. Aber obwohl man sie immer wieder danach fragte: Die Kuchen, die ihre Großmutter Eusebia buk und die man bollos negros – "schwarze Teilchen" – nannte, hat sie nie gebacken. Denn: "Die Großmutter hat das Rezept nicht aufgeschrieben und ich weiß nicht, wie an sie macht."

Ein Rezept, das nicht im Laufe der Zeit verloren ging, sondern beständig durch moderne Önologie verfeinert wird, ist das der Weine von Gran Canaria. Wie bereits anfangs erwähnt, nimmt der Monte Lentiscal darin eine herausragende Stellung ein. Denn die Qualität und der Ertrag der Trauben, eine Voraussetzung für jeden guten Wein, werden durch sorgfältige Anbaumethoden optimiert. Ihren Charakter prägen die vulkanischen Böden und das Klima, die dem Wein eine unverwechselbare Persönlichkeit geben. Einige der Rebsorten haben sich bereits seit Jahrhunderten an diese Erde angepasst. Durch den trefflichen Ausbau der Weine entstehen weiße und rote, fruchtige und süße Weine, deren Qualität täglich verbessert wird.